UNICEF führt Deutschland beim Kindeswohl nur auf Platz 25 von 37 umfassend bewerteten EU- und OECD-Ländern. Dieser Rang beruht nicht auf einem einzelnen Ausreißer, sondern auf mehreren Indikatoren: körperliche Gesundheit, mentales Wohlbefinden und Kompetenzen. Besonders deutlich fällt Deutschland bei Bildung und sozialer Herkunft zurück: Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik. Bei benachteiligten Jugendlichen sind es nur 46 Prozent, bei privilegierten 90 Prozent. Die Kinderarmutsquote stagniert laut UNICEF seit Jahren bei rund 15 Prozent.
Gleichzeitig war Deutschland laut SIPRI-Daten für 2025 der viertgrößte Militärausgeber weltweit: 114 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg um 24 Prozent innerhalb eines Jahres.
Militärische Aufrüstung wird politisch als Beitrag zur Sicherheit begründet. Aber wie sicher ist ein Land, wenn seine Kinder schlechter lesen, schlechter rechnen und schlechtere Chancen haben als Kinder in vielen vergleichbaren Staaten? Sicherheit beginnt nicht allein im Rüstungsetat, sondern dort, wo Zukunft entsteht: in Kitas, Schulen, Familien und Kommunen.
Ja, es gibt das Startchancen-Programm: gut 4.000 Schulen, 20 Milliarden Euro über zehn Jahre. Aber was wir brauchen, ist mehr als ein Schulprogramm: eine gesetzlich und finanziell verbindlich abgesicherte Kindergarantie, die über einzelne Förderprogramme hinausgeht — für Kitas, Schulen und Stadtteile mit der höchsten sozialen Belastung. Dazu gehören Sprachförderung, Schulsozialarbeit, gesunde Mahlzeiten, niedrigschwellige Gesundheitsversorgung und eine konsequente Wirkungskontrolle.
Ein Land, das Kinder zurücklässt, schützt keine Zukunft – es gefährdet sie.

